Geschichte Thailands
Im 6.-11. Jht. siedeln Mon und Khmer im Norden Thailands, wenig später kommen die Thai vermutlich aus dem
südlichen China in den Nordosten und ins Gebiet des heutigen Laos. Vor der Entstehung der thailändischen Königreiche
war die Region des heutigen Thailands die Heimat mehrerer bedeutender Zivilisationen, darunter Dvaravati, Lopburi
(Lavo) und Hariphunchai. Diese Gesellschaften waren stark von der indischen Kultur, dem Buddhismus und regionalen
Handelsnetzwerken geprägt.
Später geriet das Gebiet unter den Einfluss mächtiger Nachbarreiche wie des Khmer-Reiches und Srivijayas, was
die frühe politische und kulturelle Entwicklung maßgeblich beeinflusste.Aus einzelnen Ansiedlungen entwickelt sich
das Königreiches Sukhothai und übernimmt die Vormacht unter König Phra Ruang (später nannte er sich Sri
Indraditya). Während der Zeit sind die Mon- und Khmer-Reiche bereits im Niedergang begriffen.
1281 wird das Königreich Chiang Rai, 1296 das von Chiang Mai gegründet.
Das Königreich Sukhothai gilt oft als der erste bedeutende thailändische Staat. Es wurde im 13. Jahrhundert
nach Erlangung der Unabhängigkeit von der Khmer-Herrschaft gegründet. Unter König Ramkhamhaeng erlebte Sukhothai
eine Blütezeit: Ausdehnung des Territoriums und des Handels Förderung des Theravada-Buddhismus Entwicklung der
frühen thailändischen Kulturidentität Entstehung (oder frühe Verwendung) der thailändischen Schrift, wobei dies
unter Gelehrten umstritten ist. Sukhothai wird oft als eine Zeit relativen Wohlstands und paternalistischer
Herrschaft in Erinnerung behalten. Schließlich verfiel das Königreich und geriet unter den Einfluss von Ayutthaya.
Das Königreich von Sukhothai expandierte und wuchs unter Ramkamhaeng, der eine Schwäche für alles Schöne
gehabt haben soll und die Thaischrift erfand (abgeleitet vom Khmer). Angriffe auf das Khmerreich leiteten den
Untergang Angkors ein. Als genialer Administrator und intelligenter Diplomat verstand er es geschickt, sich
die Chinesen geneigt zu machen, und so den Mongolensturm unter Kublai Khan zu verhindern, während das Reich
Pagans zur selben Zeit in Schutt und Asche fiel. Ein Nichtangriffsbündnis mit dem Chiang Rai-Reich unter König
Mengrai sicherte zudem die Nordgrenze.
Mengrai gründete 1296 schließlich ein neues Königshaus, das er Lanna Thai nannte (Land der Millionen Reisfelder). Die neue Stadt hieß Chiang Mai.
Als Sukhothai sich auf dem Höhepunkt der Macht befand und Ram Kamhaeng starb, übernahmen die Könige Lo Thai
(Sohn von Ram Kamhaeng) und danach Li Thai (Sohn von Lo Thai) die Macht. Sie waren jedoch das genaue Gegenteil
ihres großen Vaters resp. Großvaters, beschäftigten sich hauptsächlich mit der buddhistischen Lehre und schwächten
die militärische Macht so erheblich, dass das südlich gelegene Königreich von Ayutthaya erstarken konnte und
die Vormacht übernahm. Li Thai zog sich als Mönch ins Klosterleben zurück, seine Familie stellte in der Folge
bis 1438 nur noch die Statthalter von Sukhothai. Dann wurde die Stadt aufgegeben.
Die Sukhothai-Epoche prägte die Kultur und das Selbstverständnis der Thais. Kunst und Architektur sind prägend für die weiteren Jahrhunderte.
Die Wurzeln des Königreiches von Ayutthaya sind nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich sind sie indischen Ursprungs gewesen. Erst 1350 wird die Stadt Ayutthaya von König Phya U-Thong gegründet. Ihre Lage inmitten von fruchtbarem Schwemmland der Flüsse Chao Phraya, Lop Buri und Pasak war ideal zum Aufbau eines wohlhabenden und kriegerischen Reiches. König Phya U-Thong nannte sich alsdann Ramathibodi I. und begann, sein Reich in Windeseile zu vergrößern. Das Königreich Ayutthaya entwickelte sich zu einem der mächtigsten und kosmopolitischsten Staaten Südostasiens. Strategisch günstig für den Handel gelegen, entwickelte es sich zu einem bedeutenden internationalen Hafen. Die starke Zentralmonarchie ermöglichte umfangreichen Handel mit China, Indien, Persien und später auch Europa. Es wurden diplomatische Beziehungen zu Portugal, Frankreich und den Niederlanden aufgebaut. Während der Herrschaft von König Narai unterhielt Ayutthaya besonders enge Beziehungen zu Frankreich und anderen westlichen Nationen. So schafften er und seine Nachfolger es, ganz Zentralsiam, Burma, Teile Laos und des Khmereiches zu vereinnahmen, und das Reich auch nach Süden bis zur malayischen Halbinsel auszudehnen. Sie konnten das Königreich Ayutthaya mit militärischer Stärke und gekonnter Verwaltung mehr als 400 Jahre aufrecht erhalten. 1390 wurde Chiang Mai erstmals besiegt, 1431 konnte Boromaraja II. Angkor einnehmen. Das 15. Jht. war geprägt von Kriegen gegen Chiang Mai und Feldzügen im Süden bis nach Malakka und Java, sowie der Stärkung der Zentralregierung durch König Trailok.
Als die Portugiesen Anfang des 16. Jhts. an den Küsten Siams landeten, verhandelten sie mit König Ramathibodi II. ein Niederlassungsrecht aus, das dieser dazu nutzte, von den Europäern im Gegenzug Kanonen und Musketen zu erhalten und mit ihrer Hilfe Chiang Mai zu bezwingen.
Gleichzeitig wuchs die Agression der Burmesen gegen Ayutthaya. Der erste Angriff 1549 scheiterte noch, der zweite von 1569 führte zur Plünderung und teilweisen Zerstörung Ayutthayas. König Mahachakrapat starb in Gefangenschaft.
Unter König Naresuen konnte Ayutthaya wieder erstarken und erneut expandieren. Angriffe der Burmesen wurden erfolgreich abgewehrt, die Khmer im Osten erneut unterjocht. Ayutthaya erlebte eine Blütezeit, als zu Beginn des 17. Jhts. immer mehr Europäer ins Land kamen. Holländer, Briten und Franzosen wurden zunächst herzlich willkommen geheißen und freundlich aufgenommen. Der aufblühende Handel mit den Fremden machte das Königreich schnell reich und wohlhabend. Als König Narai Mitte des 17. Jhts. regierte, wandte sich das Blatt jedoch zu Ungunsten der Europäer. Nachdem klar wurde, dass die europäischen Interessen auf Kolonialisierung und Missionierung hinausliefen, schottete König Phra Phetracha das Reich für mehr als 100 Jahre gegen alle Fremden ab. Diese Zeit wird als goldenes Zeitalter Ayutthayas beschrieben, in dem die Stadt wuchs und erblüte, und es den Menschen gut erging. Ein Zustand, der 1767 jäh zu Ende ging, als die Burmesen unter König Alaungpaya zu neuer Stärke gekommen waren und die Stadt und das Reich Ayutthaya vernichtend schlagen konnte und in einem grausamen Blutbad endgültig zerstörten.
Kurz vor dem vernichtenden Schlag der Burmesen war dem General Phya Taksin mit seiner Gefolgschaft die Flucht
gelungen. In Chantaburi stellte er eine neue Armee auf und konnte die Burmesen bereits sieben Monate später wieder
verjagen. Er zog nicht wieder in Ayutthaya ein, sondern gründete eine neue Hauptstadt 50 Km südlich, wo die
Franzosen ihre ersten Festungsanlagen zurückgelassen hatten. Der Ort nannte sich 'Dorf der wilden Olivenhaine':
Bangkok. Zunächst wurde die sumpfige Westseite (Thonburi) gewählt, und Taksin ernannte sich zum König. Seinen
Generälen gelang es, das zerstörte Land schnell wieder zu einen und die Macht zu festigen. Ein Feldzug gegen
Vientiane und Luang Prabang brachte 1779 den als heilig verehrten Jade-Buddha (Smaragd-Buddha) als Raubbeute
nach Bangkok, wo ihm zu Ehren ein neuer großer Tempel, der Wat Phra Kheo erbaut wurde. Mit ihm erfolgte der
Umzug auf die Ostseite des Chao Phraya.
König Taksin hatte sich inzwischen zum Despoten entwickelt und sich als erleuchtet erklärt. Ein Aufstand gegen seine Machenschaften im Jahre 1782 bedeutete dann sein Ende. Am 6. April 1782 wurde der siegreiche General Chao Phya Chakri zum neuen König und zum Begründer einer neuen Königsdynasti ernannt.
Chakri war ein Mann der Traditionen. Er benannte sich um in König Ramathibodi, lies Tempelanlagen und Befestigungen im alten Ayutthaya-Stil errichten und gab der neuen Stadt den bedeutsamen Namen Krung Thep Phra Maha Nakorn Amorn Nattanakosin (Stadt der Engel und Sitz des Smaragd-Buddhas). Die Thais nennen sie Krung Thep.
Vornehmliche Aufgabe von Rama I. war die Sicherung der Außengrenzen und die Bewahrung der Tratitionen und der siamesischen Kultur. Erneute Angriffe der Burmesen konnten durch verfeinerte Kriegstaktiken abgewehrt werden. Als Burma schließlich in die Kriege gegen die Briten verstrikt, und das Königreich der Burmesen in der Folge ausgelöscht wurde, hatte Siam ein großes Problem weniger. Nicht zuletzt dieser Umstand, keine unmittelbaren aggressiven Nachbarn mehr zu besitzen (Luang Prabang und Vientiane waren zerstört worden, Angkor war lange verlassen und dem Dschungel überlassen, und die Europäer hatten sich zwischenzeitlich in Indonesien, Malaya, Vietnam und Burma festgesetzt), ermöglichte den Rama-Königen Siams die Konzentration auf Kultur, Kunst, Handel und Religion. Zu Beginn des 19. Jhts. entstanden etliche der bekannten Tempelanlagen des Landes (Wat Arun, Wat Sakhet, Wat Pho). Das Jahrhundert der Rama-Könige II bis V stand unter dem Motto der Modernisierung und der Öffnung. Bereits Rama II. nahm wieder Kontakt auf zu den Europäern. Ausländer, ja sogar Missionare wurden ins Land geholt, Gesandte nach Europa geschickt, um zu studieren. Den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne schaffte Rama IV. Er ist bekannt als König Mongkut und aus dem Film ‘Anna und der König’. Nachdem er 27 als Mönch gelebt hatte, beschäftigte er sich nicht nur mit Naturwissenschaften und Astronomie, sondern lernte Englisch und Latein. Für seine Kinder lies er eine englische Lehrerin (Anna Leonowens) an den Königshof holen. Er stärkte den Handel mit den Europäern und China und erkannte die Vorteile des Miteinanders anstatt des feindseligen Gegeneinanders.
Rama V (König Chulalongkorn) wurde nach dem plötzlichen Tod seines Vaters bereits mit 15 Jahren König. Und
so war es wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass er noch unter dem Einfluß seiner Lehrerin stand, dass er
mit einer geradezu revolutionären Umgestaltung des Landes begann. Er schaffte Sitten am Hofe ab, die die Untertanen
z.B. zwangen, vor dem König auf die Knie zu fallen. Die Leibeigenschaft und der Frondienst mußten seinem Willen
weichen und er begann mit dem Bau von Schulen, Krankenhäusern, der Eisenbahn und dem Post- und Telegrafendienst.
Er holte sich ausländische Berater ins Land und lies seine Kinder in Europa studieren.
Seine 42 Jahre lange Amtszeit fiel in die Zeit, in der Siam zwischen die Weltmachtinteressen der Briten und der Franzosen geriet. Um 1860 waren die Briten in Burma zur Kolonialmacht avanciert, und die Franzosen hatten Vietnam und das östliche Kambodscha besetzt. Die wohl größte politische Tat des Chulalongkorn besteht ohne Zweifel in dem Geschick, Siam unabhängig zu halten und sich zwischen Briten und Franzosen zu positionieren. Der vertretbare Preis, den er für die Erhaltung von Frieden und Freiheit zahlen mußte, besteht in der Abtretung von Landgebieten im Osten an Frankreich (Westkambodscha und Teile Laos) sowie im Süden an England (Nordmalaya). Weil Chulalongkorn sich auch für das Wohl der Landbevölkerung stark machte, und so auch die Bauern zu bescheidenem Wohlstand kamen, ist Rama V. seither der über alles geliebte große König.
Die Regentschaftszeit Ramas VI. (Vajiravudh) dauerte von 1910 bis 1925. Als in Oxford studierter König führte er weitere westliche Sitten und Errungenschaften ins Siamesische Reich ein, was ihm allerdings nicht nur Ruhm einbrachte. Noch vor dem ersten Weltkrieg führte er die Schulpflicht für alle Kinder ein, verordnete die Vergabe von Nachnahmen, die bis dahin unbekannt waren, und ermutigte Frauen mit Nachdruck zum Tragen langer Haare und Röcke. Außerdem entwarf er die seiner Meinung nach modernere Flagge mit den drei Farben blau (König), weiß (Religion) und rot (Volk) im Austausch mit der roten Fahne, die einen weißen Elefanten abbildet.
Da Vajiravudh ein Freund der schönen Künste und des gesellschaftlichen Feierns war, rissen seine diesbezüglichen Staatsausgaben tiefe Löcher in den Haushalt, während seine Regierungsgeschäfte nicht sehr effektiv liefen. Daher ist sein Name nicht ohne Makel in der Geschichte Siams.
Sein Bruder Prajadhipok übernahm das Königsamt 1925. Er war ein sparsamer Monarch, der das Land finanziell
wieder konsolidieren wollte. Auch er hatte in England studiert, und auch er bekannte öffentlich, dass er die
demokratischen Prozesse in Europa gutheiße, aber sein Land für noch nicht reif für die Selbstbestimmung durch
das Volk halte. Rama VII. war erst 7 Jahre an der Macht, als es in Folge der Weltwirtschaftskrise, die Siam
hart traf, zu Protesten und dann zum Staatsstreich durch die Volkspartei kam. Prajadhipok akzeptierte, auch
um Blut zu vergießen, und besiegelte so das Ende der absoluten Monarchie. Er blieb König bis 1935, als er abdankte
und in einer Rede, die er in England hielt, die Macht an das Volk übergab. Ein neuer König war jedoch schon
ernannt. Er studierte als Schüler in der Schweiz: Ananda Mahidol.
In der Folge war Siam von großer Instabilität geprägt, Machtkämpfe und Unruhen zerrissen das Land. Die diktatorische Regierung, deren führende Mitglieder in Europa studiert hatten, ordnete die totale Verwestlichung an, selbst das tradtitionelle Kauen von Betelnüssen wurde verboten, der Name Siam wurde 1939 in Thailand umbenannt.
Als die Japaner 1941 in Bangkok einmarschierten, kapitulierte die Regierung, um keine weiteren Menschenleben zu gefährden und das Land zu schützen. Die Kooperation mit den Besatzern führte sogar zur Entscheidung, den Alliierten den Krieg zu erklären. Die Überbringer weigerten sich jedoch, dies zu tun, im Gegenteil kam es zu Sabottageakten gegen die Japaner. Mit Kriegsende wurde das Kollaborationsregime jedoch abgesetzt und König Mahidol kehrte nach Thailand zurück. Als er wenig später erschossen aufgefunden wurde, konnte sein jüngerer Bruder Bhumibol Adulyadej zum Monarchen ernannt werden. Er studierte jedoch zunächst in der Schweiz, bevor er 1951 sein Amt voll antrat.
In der Zwischenzeit übernahm das Militär mit Offizieren, die in Thailand ausgebildet worden waren, und der Verwestlichung kritisch gegenüber standen, die Macht und behielten sie bis in die 70er Jahre. Bereits Anfang der 60er Jahre wurden die Weichen für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes gestellt. Ausländische Investoren (v.a aus Taiwan, Japan und den USA) durch billige Arbeitskräfte und steuerliche Vergünstigungen angelockt und der natürliche und kulturelle Schatz des Landes für den Tourismus erschlossen.
Der gemeinsame Kampf gegen den Kommunismus bescherte den USA im Vietnamkrieg einen Bündnispartner in Thailand, der fünf Stützpunkte bereitstellt und im Gegenzug großzügige Unterstützung beim Ausbau der Infrastruktur des Landes erhielt. Gleichzeitig kam es jedoch zu Massendemonstrationen und Studentenunruhen gegen das Militärregime, die 1973 blutig niedergeschlagen wurden. Die Folge war das Ende der Regierung und eine dreijährige sehr instabile und unsichere Demokratiephase. Erneute Studentenunruhen wurden wieder mit Ermordungen beendet, und das Militär übernahm erneut die Macht, bis 1988 eine erneute kurze demokratische Phase eintrat, die 1991 durch den nächsten Militärputsch abgelöst wurde. Das Auf und Ab zwischen Demokratie und Militärdiktatur zeichnet die aktuelle Monarchie unter König Bhumibol und Königin Sirikit seit mehr als 60 Jahren aus. Einzig das Königspaar stand für Stabilität und Kontinuität, war konsequent dem Wohl des Volkes, der Tradition und der Religion verpflichtet und entsprechend verehrt und geliebt. Alle politischen Entwicklungen werden vom König entscheidend gestützt, und manche sagen, er sei noch immer der eigentliche Machthaber in Thailand.
Seit dem Jahr 2000 ist die politische Entwicklung Thailands von starken Spannungen zwischen demokratischen Bewegungen, Militärinterventionen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt. Zu Beginn der 2000er Jahre gewann Thaksin Shinawatra, ein wohlhabender Unternehmer, mit seiner Partei Thai Rak Thai die Wahlen und wurde 2001 Premierminister. Er führte populäre Reformen ein, insbesondere im Gesundheitswesen und in der Armutsbekämpfung, und gewann damit große Unterstützung in ländlichen Regionen. Gleichzeitig wurde ihm Korruption, Machtmissbrauch und autoritäres Verhalten vorgeworfen, was zu wachsender Opposition in städtischen Eliten und Teilen der Mittelschicht führte.
Diese Spannungen mündeten 2006 in einen Militärputsch. Während Thaksin sich im Ausland befand, übernahm das Militär die Macht, setzte die Verfassung außer Kraft und begründete den Schritt mit Korruptionsvorwürfen und politischer Instabilität. Thaksin ging ins Exil, blieb jedoch eine zentrale Figur der thailändischen Politik.
In den folgenden Jahren blieb das Land politisch gespalten. Es bildeten sich zwei große Lager: die "Rothemden", die Thaksin und seine politischen Nachfolger unterstützten, und die "Gelbhemden", die sich gegen ihn stellten und eher mit monarchistischen und konservativen Kräften verbunden waren. Zwischen 2008 und 2010 kam es zu massiven Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen, insbesondere 2010 in Bangkok, wo Militär und Demonstranten aufeinandertrafen und zahlreiche Menschen ums Leben kamen.
2011 wurde Yingluck Shinawatra, die Schwester Thaksins, zur Premierministerin gewählt. Auch ihre Regierung wurde jedoch von politischen Spannungen begleitet. 2014 eskalierten die Proteste erneut, und das Militär griff ein weiteres Mal ein. In einem zweiten Militärputsch wurde die Regierung gestürzt, die Verfassung außer Kraft gesetzt und General Prayut Chan-o-cha übernahm die Macht. Unter Prayut wurde Thailand mehrere Jahre von einer Militärregierung geführt. Politische Aktivitäten wurden eingeschränkt, und Kritiker warfen der Regierung vor, demokratische Freiheiten zu unterdrücken. Gleichzeitig spielte die Monarchie weiterhin eine zentrale Rolle im politischen System. Nach dem Tod von König Bhumibol Adulyadej im Jahr 2016 bestieg sein Sohn Maha Vajiralongkorn den Thron, was eine wichtige Zäsur darstellte.
2019 fanden erstmals seit dem Putsch wieder Wahlen statt. Prayut blieb jedoch an der Macht, was viele Beobachter als Ergebnis eines vom Militär geprägten politischen Systems betrachteten. In den Jahren 2020 und 2021 kam es zu neuen, vor allem von jungen Menschen getragenen Protestbewegungen. Diese forderten demokratische Reformen, eine neue Verfassung und erstmals auch eine Reform der Monarchie – ein in Thailand besonders sensibles Thema.
In den jüngsten Jahren setzte sich die politische Spannung fort. Bei den Wahlen 2023 gewann die reformorientierte Move Forward Party die meisten Stimmen, konnte jedoch aufgrund des Einflusses konservativer Institutionen und des Senats keine Regierung bilden. Stattdessen kam eine Koalition unter Beteiligung anderer Parteien zustande, was erneut Kritik an der demokratischen Entwicklung auslöste.
Insgesamt zeigt sich seit 2000 eine wiederkehrende Dynamik in Thailand: gewählte Regierungen werden durch Militärinterventionen unterbrochen, politische Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber, und Forderungen nach demokratischen Reformen treffen auf starke konservative und monarchische Strukturen.
